Minimal Invasive Chirurgie (MIC)

Die MIC wird allgemein als Schlüssellochchirurgie oder endoskopische Chirurgie bezeichnet. Heutzutage ist die minimal invasive Operationstechnik ein weit verbreitetes und standardisiertes Verfahren in vielen Fachbereichen der Medizin. Anwendung findet diese beispielsweise in der Viszeral- bzw. Bauchchirurgie, hierbei werden Teil- und Komplementresektion von Organen (z.B. Leber, Nieren, Milz, Gallenblase etc.) vorgenommen, sowie auch Behandlung von Leistenhernien, urologischen und gynäkologischen Untersuchungen durchgeführt.


Mischbelastung des chirurgischen Rauchs*

Wasserdampf (95%)

Anorganische Schadstoffe

Ammoniak

Kohlenstoffoxide

Schwefeloxide

Stickoxide

Organische Schadstoffe

BTEX

Aldehyde

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs)

Partikuläre Bestandteile

Wasser-und Fetttropfen, ultrafeine bis feine Partikeln

Biologische Bestandteile

Intakte Blutzellen, Zellfragmente

Lebensfähige Bakterien

Infektiöse Viren

*Angaben sind nicht vollständig, sie dienen als beispielhafte Aufzählung der chirurgischen Rauchgas-Zusammensetzung


Raumklasse Ia

Die Raumklasse 1a zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

durch eine turbulenzarme Verdrängungsströmung wird ein Schutzbereich erzeugt .

der Schutzbereich muss OP- und Instrumententisch sowie das steril gekleidete OP-Team umfassen

zur Sicherstellung der TAV im Schutzbereich, ist der TAV-Auslass in der Fläche größer als der zu schützende Bereich

zudem müssen die Leuchten im OP-Feld die Anforderungen der Systemprüfung im Anhang E der DIN 1946-4 (2008) erfüllen

Sicherstellung einer Keimreduktion durch 300- bis 400-fachen Luftwechsel 1/h

Durch die turbulenzarme Verdrängungsströmung wird eine niedrige Partikelkonzentration im Schutzbereich erreicht und zudem das OP-Personal vor schädlichen Partikeln (z.B. chirurgischen Rauch) geschützt beziehungsweise werden die Partikel aus dem Atembereich entfernt.

Raumklasse Ib

Die Raumklasse 1b zeichnet sich durch folgenden Eigenschaften aus:

die Luftzufuhr erfolgt über Schwebstofffilter-Luftauslässe in der Decke

die bestehende Raumluft wird mittels aufbereiteter Außenluft durchmischt und verdünnt, wo bei der   Außenluftanteil mindestens bei 1200 mᵌ/h liegen  muss

es kommt im Raum zu einer ungerichteten turbulenten Verdünnungsströmung (TVS)

durch die Luftzufuhr wird ein 20- bis 25-fachen Luftwechsel 1/h erreicht

bildet keinen Schutzbereich aus

 


Schutzbereich

Laut DIN 1946-4 wird der Schutzbereich als Fläche unter dem TAV-Auslass mit einer Standard-Größe von 3 m x 3 m. Die Größe des TAV-Auslasses beträgt dabei 3,2 m x 3,2 m. Zum Schutzbereich wird das Operationsfeld/Wunde, die Instrumententische einschließlich der darauf bereitgestellten sterilen Instrumente und Materialien, die sterile Patientenabdeckung, sowie das steril eingekleidete OP-Team gezählt.
Abweichender Flächenbedarf wird durch eine Positionierungsanalyse bestimmt. Im Video wird der Schutzbereich durch Vernebelung und einem Markierungsfeld am Boden erkennbar.

Äußeres Bild: Draufsicht (Vogelperspektive)
Inneres Bild: Seitenansicht


turbulenzarme Verdrängungsströmung (TAV)

Bei der turbulenzarmen Verdrängungsströmung handelt es sich um eine Strömung, welche vertikal in den Raum geblasen wird und sich dabei quasi laminar verhält. Trifft die turbulenzarme Strömung auf ein Hindernis, so wird sie dort verwirbelt und somit turbulent. Die Laminarisatoren bewirken eine gleichmäßige Strömung (früher als „laminar flow“ bezeichnet). Diese ist im OP, genauer im Schutzbereich, besonders wichtig, da sie das Aufwirbeln von Partikeln verringert und somit die Kontamination reduziert. Da der Luftstrom nach unten verläuft, werden die aufgewirbelten Partikel in diese Richtung gedrängt und verlassen so den Schutzbereich.


turbulente Verdünnungsströmung (TVS)

Bei der Raumklasse 1b handelt es sich um eine turbulente Verdünnungsströmung oder um eine Mischströmung, welche durch spezifische Strömungsvorgänge ausgebildet wird.
Die Luft wird über Deckenluftauslässe gefiltert und wird vertikal in den Raum abgegeben. Dabei treten Bewegungen der Luft bzw. querverlaufende Bewegungen auf, die sich in unterschiedlichen Stärken ausprägen.


Turbulenzgrad

Der Turbulenzgrad ist eine prozentuale Angabe zur Luftgeschwindigkeitsveränderung im Raum. Der Turbulenzgrad kann mit der mittleren Luftgeschwindigkeit und der Lufttemperatur berechnet werden. Somit ist der berechnete Turbulenzgrad von der Lufttemperatur und –Geschwindigkeit abhängig. Die Bestimmung des Turbulenzgrades ist wichtig um die Turbulenzarmut in einem Raum oder in einem Bereich eines Raumes (z.B. Schutzbereich im OP) beschreiben zu können.[Herwig 2004]

Der Turbulenzgrad beschreibt die auftretenden Fluktuationen der lokalen Luftgeschwindigkeiten, diese geben Aufschluss über die Gleichmäßigkeit des Abströmverhaltens. Hierbei wird fokussiert, dass sich auf der OP-Liege, die bei einer Höhe von 1,2 m oberhalb des Fußbodens liegt definiert als Patientenhöhe, keine turbulenten Strömungen bilden. Dadurch wird das Eindringen von luftgetragenen Partikeln aus dem OP-Hintergrund in den Schutzbereich unwahrscheinlich. Des Weiteren wird durch eine turbulenzarme Strömung das Aufsteigen von Partikeln auf den Operationstisch unterbunden.